Kirsten Husfeld Herzologin blog
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Alleinerziehend mit Schmerzen leben

Als kranke, studierende und alleinerziehende Mutter war es besonders schwierig, meiner Tochter gerecht zu werden.

Soweit es möglich war, habe ich von zuhause gearbeitet.

Aber dennoch gab es etliche Ausfälle meinerseits, bei denen ich das Bett hüten musste, und das mit einem kleinen Kind und ohne soziales Netz.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich nach einem körperlichen Zusammenbruch mit hohem Fieber im Bett lag und nicht mehr aufstehen konnte. Da habe ich meine kleine, damals 5-jährige Tochter gebeten, mir ein Glas Wasser zu bringen.

Sie kam wütend an mein Bett und rief:

„Du bist doch die Mutter und ich das Kind. Da musst Du doch für mich sorgen und nicht ich für Dich“.

Das hat mich doppelt getroffen, einmal, weil ich dringend Hilfe benötigte und nicht bekam und besonders, weil sie ja absolut Recht hatte, und ich nicht funktionieren konnte.

Spätestens ab da habe ich immer wieder versucht, ihr zu vermitteln, dass sie nicht für mich verantwortlich ist.

Dennoch bleibt es sicherlich nicht aus, dass Kinder sich unbewusst irgendwie schuldig und verantwortlich fühlen.

Und ich konnte meine Tochter davor nicht schützen, da es immer wieder diese Ausfälle gab und ich nicht richtig funktionsfähig war.

Das einzige, was ich tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass sie möglichst viel Zeit mit schönen Dingen und Freunden verbrachte , und sie Zeit bei Ihren liebevollen Großeltern verbrachte, damit sie nicht immer von dieser Schwere umgeben war.

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es unendlich wichtig ist, dass man es Kindern nicht oft genug sagen kann, wenn sie Schwierigkeiten bei den Eltern mitbekommen, dass sie keine Schuld trifft und auch keine Verantwortung dafür haben, sondern dass wir Eltern groß sind und selber für uns sorgen können/müssen.

Das ist eine wichtige Aufgabe für uns Eltern, dass sie lernen, sich von den Problemen der Eltern abzugrenzen.

Auch das eigene Schuldgefühl meiner Tochter gegenüber, dass ich nicht so für sie Da-Sein konnte, wie ich es gerne gewesen wäre, hat mich lange Zeit sehr gequält.

Und alle Alleinerziehenden werden es sicher kennen, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, perfekt sein zu wollen, praktisch Vater und Mutter in einem zu sein.

Das hat mein Schuldgefühl nicht gerade entschärft.

Mittlerweile habe ich mir dafür verzeihen können auf meinem langen Forschungsweg.

 

 

Prioritäten setzen nach dem Minimalprinzip

Was ich lernen musste, seit ich mit Schmerzen lebe, ist, Prioritäten zu setzen.

Es kostete mich in meinen schlimmen Phasen täglich soviel Kraft, mit den Schmerzen zu sein, in der Verzweiflung nicht zu versinken, mich immer wieder auf`s Neue zu motivieren, den Tag aufzunehmen, dass ich immer wieder kleine Vorhaben stoppen musste z.B. Abwaschen, eine e-mail schreiben, Unterlagen zu sortieren, und später neu anzusetzen.

Nur das wirklich Dringliche und auch Wichtige konnte ich erledigen. Für alles andere war keine Kraft.

Also mit so wenig Kraft wie möglich das größtmögliche erreichen.

Selbst für scheinbar kleine Dinge, die wenig Zeit brauchen, aber nicht dringlich und wichtig waren, war kein Raum.

Das führte immer wieder zu Unverständnis im Umfeld.

„Du musst doch nur mal eben“ hieß es da.

Aber dieses „nur mal eben“ war nicht möglich.

Auch unabdingbar war es, zu lernen, Hilfe anzunehmen.

 

Ich habe festgestellt, dass mein Umfeld sich gefreut hat, wenn es etwas für mich tun konnte; denn die Schmerzen können sie mir ja nicht nehmen.

Also ist es eine Win-Win-Situation.

Nur Mut!

Der ideale Umgang mit den Menschen im Außen

Gibt es die Lösung für einen guten Umgang mit den Menschen, die keine Schmerzen haben?

Lange, lange Zeit habe ich gedacht, es gibt sie.

Besonders schwierig empfinde ich es, wenn man keine klare Diagnose hat. Dadurch fehlt den Menschen ein Anhaltspunkt, an dem sie sich entlanghangeln, es sich ein wenig vorstellen können.

Und eine Diagnose vom Arzt hat immer Gewicht und löst am ehesten Verständnis aus.

Ein weiteres Problem ist, dass man die Schmerzen nicht sehen kann. Dadurch werden sie von außen nicht wahrgenommen.

Ich habe immer wieder mein Verhalten geändert, aber “richtig” war es nie.

Wenn ich geklagt und gejammert habe, schreckte ich  die Menschen ab.

Wenn ich aber fröhlich war, schien es ja nicht so schlimm zu sein. Das irritiert dann fast noch mehr.

Vor längerer Zeit waren meine  kompletten Arme ein paar Wochen eingetapet; d.h. sie leuchteten herrlich, auch noch in der Signalfarbe rot.

Prompt gab es ganz andere Reaktionen im Umfeld.

Meine Schmerzen waren plötzlich sichtbar.

Mir wurde ständig Hilfe angeboten und aktiv Anteilnahme gezeigt.

Das war bzgl. der Menschen um mich herum eine sehr erholsame Zeit für mich.

Ansonsten,  war ich ohne optische Erkennung meiner Schmerzen, habe ich mir oft Abfuhren eingefangen, wenn ich um Hilfe gebeten habe, mit den Worten: „Das kannst Du doch selbst.“   Dieselben Tätigkeiten, bei denen ich mit rotem Tape sofort Hilfe bekam.

 Zu erklären, warum ich für dieses oder jenes Hilfe brauchte, reichte oft einfach nicht aus, weil es nicht verstanden wurde, weil ich oft auch so “gesund” aussehe.

Mittlerweile bitte ich, soweit möglich, nur noch Menschen, von denen ich weiß, dass sie meine Bitten ernst nehmen, um Hilfe.

 

 

Optimale Begleitung von Menschen mit Schmerzen

Ein Patentrezept gibt es sicher nicht, wie man als Außenstehende/r mit Menschen, die Schmerzen leiden, umgeht.

Aber das wichtigste ist, da zu sein bzw. da zu bleiben, im Kontakt. Das ist sicher nicht immer einfach, da man doch so gerne helfen würde und nicht kann.

Dieses Gefühl von Hilflosigkeit da-sein zu lassen, ist die Kunst.

Aber die Fähigkeit, nur da zu sein, kann ganz viel Druck und Verzweiflung von der Person mit Schmerzen nehmen. Zumindestens habe ich es so immer wieder erlebt.

Es ist das größte Geschenk, was man einem Menschen in einer schwierigen Situation überhaupt machen kann:

ZEIT!

Ken Wilber, ein amerikanischer Philosoph und Autor, hat in seinem Buch:“Mut und Gnade“ seine Sicht zum Thema Begleitung von chronisch Kranken geschildert. Das bringt es für mich total auf den Punkt.

Dieses Buch ist die autobiografische Geschichte von ihm selbst und seiner Frau, die an Krebs erkrankt. Und er begleitet sie bis zum Tod.

Darin beschreiben abwechselnd seine Frau und er, was sie erleben, fühlen und denken im Umgang mit sich selbst und dem Partner.

Ken Wilber kommt zu der Erkenntnis, dass in Zeiten, in denen der Kranke auf der Suche nach einer neuen Behandlung, Ernährungsweise, Medikament…Idee, ist jeder Ratschlag, jeder Tipp gewünscht und bereichernd.

Hat sich der Kranke aber für einen Weg entschieden, auch wenn es nicht den eigenen Vorstellungen und Meinungen entspricht, gilt es nur noch, diesen Weg mit ganzem Herzen zu unterstützen und Da zu sein.

Alles andere bedeutet Stress und verunsichert nur.

Leider gibt es, aus meiner Erfahrung heraus, immer wieder Menschen, die es scheinbar immer besser wissen als man selber.

Woher nehmen Sie dieses Wissen?

Sie sind nicht in dieser Situation, stecken nicht in diesem Körper.

Wobei…ich ertappe mich auch noch manchmal dabei, so „schlau“ sein zu wollen. Das ist auch menschlich.

Entscheidend ist nur, immer achtsamer und sensibler dafür zu werden, wenn man Ratschläge verteilt und sich dann ein Stopp dafür zu geben oder die Person zu fragen, ob sie es überhaupt hören möchte.

 

 

 

Schmerzen und Einsamkeit

Einsamkeit

Seit mehr als 3o Jahren lebe ich nun mit permanenten Schmerzen.

Und nur Menschen, die chronische Schmerzen kennen, wissen, was das wirklich bedeutet.

Weißt Du auch, wie sich das anfühlt?

Es macht u.a. unendlich einsam!

Die Ärzte hatten mich schon vor langer Zeit aufgegeben, bzw. mir gesagt, ich müsse damit leben.

Aber das kam für mich mit Mitte 20 als „Lösung“ überhaupt nicht in Frage.

Denn ich bin überzeugt davon, dass Schmerzen, wenn sie irgendwie entstanden sind, auch irgendwie wieder gehen können.

Also unheilbar war und ist für mich keine Option.

Dieser Antrieb hat mir immer wieder die Kraft gegeben, neue Wege auszuprobieren, um Puzzleteile für meine Heilung zu finden, solange, bis ich ganz gesund bin.

Auf diesem Weg habe ich viele Menschen gehen sehen, die mit meinen Schmerzen, meinem Leid nicht umgehen konnten.

Teilweise haben sie es mir direkt ins Gesicht gesagt, dass sie es nicht mehr aushalten.

Das hat mich sehr verletzt und auch wütend gemacht.

Aber was konnte ich tun?

Ich konnte sie nicht zurückhalten, und mir blieb auch  nicht die Möglichkeit, von meinen Schmerzen wegzugehen.

So wurde es von Jahr zu Jahr immer stiller um mich herum.

Menschen, die mich aushalten konnten, d.h. einfach Da waren für mich, ohne den Zwang ,mir irgendwie helfen zu müssen, gab es kaum.

Freunde in meiner näheren Umgebung hatte ich nicht.

Also blieb nur das Telefon.

Wie gerne hätte ich mich einfach nur einmal in den Arm nehmen lassen.

Bei den Freunden, die mir blieben, habe ich später immer sorgfältig darauf geachtet, sie mit meinen Schmerzen, meinen Tränen, meiner Verzweiflung, nicht zu überfordern.

So habe ich nur noch 14-tägig mit Ihnen telefoniert.

Das ist die Fürsorge, die ich für meine Freunde leisten konnte; denn es ist ganz sicher auch nicht einfach für die Umwelt, mit der eigenen Hilflosigkeit umzugehen.

Aber mit den Jahren, den vielen erfolglosen Erlebnissen, wurde ich auch hier immer stiller. Das Gefühl, nicht wirklich verstanden zu werden zu können, verstärkte meine Einsamkeit noch mehr.

Und nach den vielen Jahren konnte ich spüren, dass fast niemand, auch von meinen Liebsten, wirklich noch an Heilung glauben konnte.

Die einzige, die daran unerschütterlich glaubte außer mir, ist meine Tochter. Ohne sie weiß ich auch nicht, ob ich diesen heftigen Weg durchgehalten hätte.

Mittlerweile habe ich gelernt, mit dieser Einsamkeit umzugehen. Dazu in späteren Beiträgen mehr.

 

 

 

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