Kirsten Husfeld Herzologin blog
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Einträge von 2017-08-05

Alleinerziehend mit Schmerzen leben

Als kranke, studierende und alleinerziehende Mutter war es besonders schwierig, meiner Tochter gerecht zu werden.

Soweit es möglich war, habe ich von zuhause gearbeitet.

Aber dennoch gab es etliche Ausfälle meinerseits, bei denen ich das Bett hüten musste, und das mit einem kleinen Kind und ohne soziales Netz.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich nach einem körperlichen Zusammenbruch mit hohem Fieber im Bett lag und nicht mehr aufstehen konnte. Da habe ich meine kleine, damals 5-jährige Tochter gebeten, mir ein Glas Wasser zu bringen.

Sie kam wütend an mein Bett und rief:

„Du bist doch die Mutter und ich das Kind. Da musst Du doch für mich sorgen und nicht ich für Dich“.

Das hat mich doppelt getroffen, einmal, weil ich dringend Hilfe benötigte und nicht bekam und besonders, weil sie ja absolut Recht hatte, und ich nicht funktionieren konnte.

Spätestens ab da habe ich immer wieder versucht, ihr zu vermitteln, dass sie nicht für mich verantwortlich ist.

Dennoch bleibt es sicherlich nicht aus, dass Kinder sich unbewusst irgendwie schuldig und verantwortlich fühlen.

Und ich konnte meine Tochter davor nicht schützen, da es immer wieder diese Ausfälle gab und ich nicht richtig funktionsfähig war.

Das einzige, was ich tun konnte, war, dafür zu sorgen, dass sie möglichst viel Zeit mit schönen Dingen und Freunden verbrachte , und sie Zeit bei Ihren liebevollen Großeltern verbrachte, damit sie nicht immer von dieser Schwere umgeben war.

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es unendlich wichtig ist, dass man es Kindern nicht oft genug sagen kann, wenn sie Schwierigkeiten bei den Eltern mitbekommen, dass sie keine Schuld trifft und auch keine Verantwortung dafür haben, sondern dass wir Eltern groß sind und selber für uns sorgen können/müssen.

Das ist eine wichtige Aufgabe für uns Eltern, dass sie lernen, sich von den Problemen der Eltern abzugrenzen.

Auch das eigene Schuldgefühl meiner Tochter gegenüber, dass ich nicht so für sie Da-Sein konnte, wie ich es gerne gewesen wäre, hat mich lange Zeit sehr gequält.

Und alle Alleinerziehenden werden es sicher kennen, das Gefühl, nicht gut genug zu sein, perfekt sein zu wollen, praktisch Vater und Mutter in einem zu sein.

Das hat mein Schuldgefühl nicht gerade entschärft.

Mittlerweile habe ich mir dafür verzeihen können auf meinem langen Forschungsweg.

 

 

Prioritäten setzen nach dem Minimalprinzip

Was ich lernen musste, seit ich mit Schmerzen lebe, ist, Prioritäten zu setzen.

Es kostete mich in meinen schlimmen Phasen täglich soviel Kraft, mit den Schmerzen zu sein, in der Verzweiflung nicht zu versinken, mich immer wieder auf`s Neue zu motivieren, den Tag aufzunehmen, dass ich immer wieder kleine Vorhaben stoppen musste z.B. Abwaschen, eine e-mail schreiben, Unterlagen zu sortieren, und später neu anzusetzen.

Nur das wirklich Dringliche und auch Wichtige konnte ich erledigen. Für alles andere war keine Kraft.

Also mit so wenig Kraft wie möglich das größtmögliche erreichen.

Selbst für scheinbar kleine Dinge, die wenig Zeit brauchen, aber nicht dringlich und wichtig waren, war kein Raum.

Das führte immer wieder zu Unverständnis im Umfeld.

„Du musst doch nur mal eben“ hieß es da.

Aber dieses „nur mal eben“ war nicht möglich.

Auch unabdingbar war es, zu lernen, Hilfe anzunehmen.

 

Ich habe festgestellt, dass mein Umfeld sich gefreut hat, wenn es etwas für mich tun konnte; denn die Schmerzen können sie mir ja nicht nehmen.

Also ist es eine Win-Win-Situation.

Nur Mut!

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